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Folge 5: Abfallmanagement Rethink & Research

Abfallmanagement Rethink & Research: Skript zum Podcast – Folge 5

Podcastskript II-4  Abfallmanagement Research und Rethink


Möglichkeiten der Verbesserungen jenseits des Naheliegenden 

Wir möchten euch noch von ein paar Beispiele für kreative Lösungen des Müllproblems erzählen. Es wird ein kleines Ping-Pong. Wir werden manche Ideen nur anschneiden und nicht bis ultimo ausformulieren. Eure Kreativität ist also mitgefragt und wir würden uns sehr freuen über weitere bunte Vorschläge von euch. Also, schreibt uns gern.

Teaching

Allein durch gutes Teaching der Mitarbeiter kann schon eine relevante Menge an Müllreduktion erreicht werden. 1,2 Überlegt euch wie – in der Früh oder Assistent*innenfortbildung, in einer gemeinsamen Konferenz mit der Anä /OP Pflege, über Mundpropaganda, Sticker, Poster, Webinare, ‘nen Song, ein lustiges Video über TikTok.

Einkauf nach Klimafreundlichkeit

Führt oder lasst Lifecycle-Analysen von Produkten durchführen, bzw. vergleicht die verschiedenen Produkte die es (bei euch) gibt. Am besten integriert in die Auswahl des jeweiligen Medizinprodukts, vor allem beim Einmalprodukten, den Umweltfußabdruck. Wenn alles gut läuft, wird das sogar in Zukunft dadurch vereinfacht, dass die CO2-Budgetierung die klimafreundliche Auswahl bereits über den Preis reguliert.

Abfalldesinfektion

Es gibt Konzepte um den infektiösen Abfall, welcher hochenergieaufwendig verbrannt werden muss, schon im Krankenhaus zu dampfdesinfizieren, um ihn dann als normalen Siedlungsabfall durchgehen zu lassen. Sicher wäre auch hier ein Assessment des zusätzlichen Energieaufwands der Desinfektion möglich, aber potenziell kann auch hier Energie und somit Treibhausgase gespart werden. 3

Essen und Trinken

Was gibt es in der Kantine zu essen und könnte man es aufwerten, indem primär lokale Produkte verwendet, vegetarisch und somit klimafreundliche Ernährung gefördert und Essensreste adäquat entsorgt werden?4 Wir wollen hier keine Brandrede für vegetarische Ernährung halten, aber wenn man sich vergegenwärtigt, dass neben der tiefen ethischen Gräben in der Massentierhaltung auch einfach der CO2 Fußabdruck zwischen der gleichen Menge Proteinpulver aus Casein und Sojaprotein 25-facher Unterschied ist.5

Gibt es vllt einen lokalen Anbieter, der die klassisches one way to go Becher durch Mehrwegbecherersetzen könnte? Vielerorts können einheitliche Becher entweder einfach wieder durchgetauscht werden oder die eigenen Becher werden ganz normal als Getränkebehältnis akzeptiert. Und auch in der Kantine kann das funktionieren. Man bringt einfach seine eigene Tupperdose mit, die Peoples in der Kantine füllen das ToGo Essen dort hinein statt in das Einwegplastikteil. Das spart die schwer zu entsorgende Styroporverpackung. Am besten funktioniert das natürlich durch Rabatt auf den Preis.6 Sollte es dennoch mancherorts notwendig sein Einwegverpackungen zu verwenden, dann sollten diese zumindest aus sortenreiner Plastik sein, damit sie recycelt werden können. Allein dadurch wurden in einem Krankenhaus in Oregon 14 Tonnen Verbrennungsabfall gespart.7

Was passiert eigentlich mit dem Essen welches am Ende des Tages in der Kantine übrig bleibt? Kann das vllt noch an bedürftigen Tafeln weitergegeben werden? Oder zumindest kann es in den Biomüll, anstatt verbrannt zu werden. Oder es kann wie an einen lokalen Landwirt abgegeben werden, der damit eine Biogasanlage betreibt.8

Wir waren uns nicht sicher aber FALLSes bei euch generell nur Ein-Weg Geschirr auf den Stationen gibt, solltet ihr dort ordentlich attackieren! In einem NY Krankenhaus mit 1000 Betten konnten pro Jahr 181.400 kg Müll und natürlich auch 500.000 Dollar eingespart werden.7

Krankenhausinfrastruktur

ihr braucht Möbel fürs BD-Zimmer oder das Büro in dem ihr forscht oder auch den Aufenthaltsraum? Schaut doch ob es bei euch an der Klinik eine Börse / Kleinanzeigen gibt oder fangt mit einer an um Gegenstände, die ihr nicht mehr braucht aber vielleicht der Allgemeinchirurg unbedingt haben möchte weitergeben zu können ohne, dass euer Stuhl auf dem Müll und der vom Chirurg neu gefertigt werden muss. Eine solche Möbelbörse lässt sich insbesondere an großen Häusern oder Universitäten realisieren, einfach weil ein gewisses Minimum an verfügbaren Möbeln nötig ist. An der Charité gibt es sogar eine eigene Werkstatt, in der Möbel wieder flott gemacht werden. Das ganze könnte man dann auch nach außen öffnen und alte gebrauchte Möbel, Ordner, Büromaterialien und alles was eigentlich zu gut zum Wegwerfen ist abgeben.

Nehmt Kontakt zu euer IT Abteilung auf um technische Lösungen und Ideen einfacher umsetzen zu können // Die IT hat Spaß am Ausprobieren und für die Umwelt springen zb die Hälfte der bedruckten Blätter oder eine optimale Nutzung der Leuchtmittel etc. raus

Eine kleine deutsche Klinik hat einen berenteten Herrn als Mini-Jobber eingestellt, der jeden Abend die Lichter und Computer ausschaltet – okay es ist schon echt echt peinlich wie faul man als Klinikmitarbeiter*in sein kann, aber es ist wie es ist- man muss arbeiten mit dem was man hat – und damit signifikant viel Strom gespart (Ich finde leider keine Quelle dazu. KP wer das mal erzählt hatte. Hoax? Vielleicht erzählen wir es als urban myth)

Oftmals haben Krankenhäuser größere Rasen- und Gartenanlagen. Man kann natürlich den ganzen Rasenschnitt sammeln und kompostieren (Gärtner wissen, dass man nicht den reinen Grasschnitt allein suffizient kompostieren kann), es gibt allerdings noch eine andere Möglichkeit. Durch Einsatz von Mulchmähern, lässt sich der Rasenschnitt direkt als Dünger einsetzen und die Verwendung von zusätzlichen, im Zweifel völlig Stickstoff-überladenen künstlichen Düngern deutlich einsparen, in unserem Beispiel ein Drittel.7,9 Außerdem reduziert sich die anfallende Arbeit um über ein Viertel und somit gibt es auch monetäre Vorteile.

Es steht schon unter vielen E-Mails geschrieben: bitte nur wenn nötig ausdrucken. Das ist natürlich ein Anfang, aber längst nicht wirksam genug. Jeder der von uns im Krankenhaus arbeitet fragt sich beinahe täglich, ob die Menge an Ausdrücken, welche im Zweifel nienienie wieder angesehen werden, wirklich nötig ist. Die Antwort auf diese Frage kann natürlich nicht ein einzelner Mitarbeiter liefern, sondern es muss eine ganze Kette von Eventualitäten bedacht werden. Häufig ist wahrscheinlich der Hauptgrund der multiplen Ausdrucke einfach Sorge vor späteren Klagen, die dann auf mangelnde Dokumentation treffen könnten. Es wäre also wünschenswert, sich Gedanken zu machen, wo digitale Unterschriften ausreichen, wo Dopplungen der Dokumentation liegen und wo einfach alte Abläufe beibehalten werden. Wir können uns gut vorstellen, dass es Sinn macht mit der gesamten Klinik zu konsentieren papierfrei zu werden. Das schafft ein klares Ziel und zwingt zu kreativen und nachdrücklichen Lösungen. Wie schon in unserer zweiten Folge beschrieben: jedes Blatt Papier sind 200 ml Wasser 2 Gramm CO2, 2g Holz und einige Euro. Wenn wir wie zb an der Charite bei 57 Millionen Blatt auch nur einen Bruchteil sparen, sind das ernstzunehmende ökologische und ökonomische Vorteile.7 

Mobilität 

Setzt euch für genügend, vielleicht auch überdachte und überwachte, Fahrradstellplätze ein um CO2 arme Mobilität zu fördern und den verschleiß oder ungewollten “Verlust” des geliebten Drahtesels zu vermeiden. Ihr kennt alle die Aushänge, dass mal wieder ein Fahrrad geklaut wurde. Jedes Poster ist ein Beweis dafür, dass lokal nachgebessert werden muss.

Sprecht mit eurem Arbeitgeber ob die Möglichkeit besteht vergünstigte Tickets für die Öffis zu bekommen. In Hessen bekommen die Landesangestellten, also auch Teile des Krankenhauspersonals (aktuell ÄrztInnen, demnächst auch Pflegekräfte) ein Hessenticket. Bahn fahren bis die Schwarte kracht! Letztlich geht es um den Verzicht auf Autos mit Verbrennungsmotoren auf dem Weg zur Arbeit. Alternativen sind klar. Insbesondere in Städten bieten sich auch Mobilitätshubs an, bei denen einfach und kostengünstig von einem aufs andere Transportmedium umgestiegen werden kann. Mit der Bahn in die Stadt, mit dem EScooter den Berg zur Arbeit hoch.

Generell sollte die Mobilität entweder klimafreundlich umgesetzt oder soweit wie sinnvoll reduziert werden. Die letzten Monate haben gezeigt, dass man nicht zu jedem Meeting und jedem Kongress persönlich kommen muss, sondern tolle Konzepte für die digitale Umsetzung existiere. Und wenn, dann möglichst mit der Bahn fahren. Beispielsweise kann, wie in der DGAI geplant, nur noch die Anfahrt mit der Bahn erstattet werden. Fliegen nach Kalifornieren zum Kongress XY ist natürlich auch irgendwie toll, aber nicht klimatechnisch tragbar.

Solarpanels für nachhaltigen Strom auf den Dächern

Viele Krankenhäuser beziehen den billigen Strommix, der hierzulande immer noch zu über einem Drittel aus fossiler Rohstoffverbrennung stammt (https://strom-report.de/strom/). Angesichts des großen Energieverbrauchs von Krankenhäusern ist hier eine Menge für das Klima und den Treibhausgasausstoß zu erreichen. Da oftmals nicht das Geld vorhanden ist, um einfach auf den teureren Ökostrom umzusteigen, kann per Photovoltaik-Anlage, wenn auch mit initialer Investition, letztlich Geld eingespart werden für Klimaneutrale Stromproduktion

Installation eines Blockheizkraftwerks 

Hier wartet ein Einsparungsmonster. Wenn Krankenhäuser anstatt einer Zentralheizung plus Kraftwerkstrom ihren Strom und Wärme selbst produzieren, können die Energiekosten über einen zweistelligen Prozentbetrag reduziert werden. Das ist richtig richtig viel, beispielsweise in einem Krankenhaus in Texas 200 Mio Dollar in 15 Jahren.10 Diese Preisersparnis ist direkt umzurechnen in CO2 Ersparnis, denn es wird einfach weniger verbraucht.11 Das Prinzip ist klar. Man verbrennt zur Stromerzeugung einen Energieträger vor Ort und kann die entstandene Wärme direkt in die Heizanlage des Krankenhauses einspeisen. Keine weiten verlustträchtigen Strecken mehr zu überbrücken. Dadurch ist der Wirkungsgrad der Anlagen deutlich höher und sie sind im Zweifel moderner als das modrige Kohlekraftwerk vor den Toren der Stadt. Als kleines Bonbon kann in einigen Anlagen sogar direkt entstandener Restmüll aus dem Krankenhausbetrieb verbrannt werden was angesichts der oftmals älteren zentralen Müllverbrennungsanlagen mit geringerem Wirkungsgrad ein weiterer Vorteil ist. Plus: Es werden Kosten und Emissionen gespart die für den Transport des Abfalls von Nöten wären. Ein wichtiger Aspekt ist hier die große Initialinvestition. Diese kann aber über Energiespar-Contracting vermieden werden. Hier installieren große Unternehmen, die Contractor, neue Anlagen, welche dann über die Folge hinweg über die eingesparten Kosten des Krankenhauses abgezahlt werden. Somit profitieren alle und vor allem die Umwelt.12

KlimamanagerIn

Schon mal drüber nachgedacht sich zum Klimamanager*in von KLIK Green ausbilden zu lassen?13 In diesem tollen Projekt sind mittlerweile sehr viele Krankenhäuser Deutschlandweit beteiligt mit kostenfrei ausgebildeten KlimamanagerInnen. Man bewirbt sich als Mitarbeiter eines Hauses und kann nach den Seminaren und Weiterbildungen von KLIK dann in seinem Krankenhaus strukturierte Verbesserungsmaßnahmen umsetzen. Das ist doch eine riesige Chance, weil am Ende alle dermaßen davon profitieren. Auch die Zero Emission Hospital Initiative ist ein toller Anlaufpunkt! Da gibts Ideen, Infos und Material für Denkanstöße und natürlich Gleichgesinnte. Das Krankenhaus Havelhöhe in Berlin will beispielsweise bis 2030 das erste klimaneutrale Krankenhaus sein und ist auf dem besten Weg dahin.

Abschluss

Research and Rethink bieten Raum für Kreativität und individuelle Ideen, die genau auf eure Abteilung und euer Krankenhaus zugeschnitten sein können. Wenn ihr einen Geistesblitz hattet und ihn gerne mit allen anderen Abfall-Wütigen teilen wollt, schickt uns eine Nachricht, wir übernehmen dann die Megafon-Funktion für alle! 

Das war auch schon unser Hyperkapnie Research / Rethink Ping Pong. Wir hoffen auch diese letzte Folge zum Thema Müll hat euch Spaß gemacht. Beim nächsten Mal steigen wir in das Thema Divestment ein.

1          Shelton CL, McBain SC, Mortimer F, White SM. A new role for anaesthetists in environmentally-sustainable healthcare. Anaesthesia 2019; 74: 1091–4.

2          Mosquera M, Andrés-Prado MJ, Rodríguez-Caravaca G, Latasa P, Mosquera MEG. Evaluation of an education and training intervention to reduce health care waste in a tertiary hospital in Spain. Am J Infect Control 2014; 42: 894–7.

3          Müll schluckt zu viel Geld. https://www.medica.de/de/News/Archiv/Müll_schluckt_zu_viel_Geld (accessed May 19, 2021).

4          ‘Going Green’ in Food Services: Can Health Care Adopt Environmentally Friendly Practices? https://dcjournal.ca/doi/10.3148/72.1.2011.43?url_ver=Z39.88-2003&rfr_id=ori%3Arid%3Acrossref.org&rfr_dat=cr_pub++0pubmed& (accessed May 19, 2021).

5          Pohl M. CO2-Fußabdruck von Lebensmitteln reduzieren – so geht’s!| nu3. nu3.de. 2019; published online Oct 24. https://www.nu3.de/blogs/nutrition/co2-fussabdruck-lebensmittel (accessed May 19, 2021).

6          10 Gründe auf Styropor zu verzichten. Naturschutz.ch. 2017; published online May 23. https://naturschutz.ch/hintergrund/wissen/10-gruende-auf-styropor-zu-verzichten/115574 (accessed May 20, 2021).

7          Waste Reduction Activities for Hospitals. https://p2infohouse.org/ref/13/12337.htm (accessed May 20, 2021).

8          Composting food waste at Emory hospitals | Lab Land. https://www.emoryhealthsciblog.com/composting-food-waste-at-emory-hospitals/ (accessed May 20, 2021).

9          Grass Clippings, Compost and Mulch: Questions and Answers. https://extension.missouri.edu/publications/g6958 (accessed May 20, 2021).

10        CHP Alliance. Combined Heat and Power (CHP) Potential in Hospitals. https://chpalliance.org/wp-content/uploads/2020/02/CHP-Hospital-Factsheet_FINAL.pdf.

11        Urbansky F. BHKW, Entrade, KWK. Energie­·Wirtschaft·Politik. 2015; published online Dec 19. https://www.enwipo.de/2015/12/19/kleines-bhkw-verbrennt-abfaelle-direkt-vor-ort/ (accessed May 20, 2021).

12        Ärzteblatt DÄG Redaktion Deutsches. Energiesparen im Krankenhaus: Klimaschutz rechnet sich. Deutsches Ärzteblatt. 2008; published online Oct 10. https://www.aerzteblatt.de/archiv/61828/Energiesparen-im-Krankenhaus-Klimaschutz-rechnet-sich (accessed May 20, 2021).

13        KLIK – Klimamanager für Kliniken: Startseite. https://www.klik-krankenhaus.de/startseite (accessed May 20, 2021).

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